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Text von Seite 94

4. April
Nächste Woche steht wieder die Nachsorge an. Und damit ich nicht unruhig werde, habe ich mir zur Ablenkung etwas besonders Schönes vorgenommen: ich fahre übers Wochenende in „mein“ Sanatorium und werde dort Tango-Unterricht geben! Eine überaus spannende Angelegenheit - ich habe so etwas noch nie gemacht, aber es wird ein voller Erfolg. Sogar der Herr Direktor tanzt mit. Ich erzähle meine Geschichte und wie mir der Tango beim Überleben geholfen hat. Wie ich durch den Tango lernte, loszulassen, die Kontrolle abzugeben, mich führen zu lassen, so wie ich auch im Leben die Kontrolle abgeben musste. Ich bekomme ganz viel positive Rückmeldung, das tut unendlich gut. Ich bin gerührt und glücklich. Ich spüre ganz intensiv, was ich in diesem Leben noch alles erreichen kann. Vor allem im Kontakt zu anderen Menschen will ich zeigen, dass es trotz Krankheit weiter geht. Das ist mir ganz wichtig. Ich glaube, solche Erlebnisse sind für mein Immunsystem tausendmal besser, als alle Pillen der Welt.
Und ich bin ruhiger geworden. Ich habe nicht mehr ständig das Bedürfnis, alles richtig machen zu wollen. Mein Leben ist nicht mehr perfekt, mein Körper ist nicht mehr perfekt, warum muss ich dann noch perfekt sein? Ich mache Fehler und kann das auch aushalten. Ich will lernen, öfter die Dinge laufen zu lassen. Ich möchte sagen können: was geht, ist gut - was nicht geht, ist auch gut. Vielleicht gelingt es mir.

7. April
Termin bei Dr. W. Noch ganz erfüllt vom Glück des Wochenendes sitze ich entspannt in seiner Praxis. Wir plaudern locker miteinander, dann macht er die Ultraschalluntersuchung. Alles in Ordnung, wie könnte es auch anders sein, wenn es mir so gut geht. Die Laborwerte sind etwas durcheinander (zu wenig Erythrozyten und Hämoglobin, auch der Blutzucker ist sehr niedrig, vielleicht bin ich deswegen immer so müde?), aber nicht beunruhigend. Also wieder eine Runde geschafft, ich freue mich aufs Leben.

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